Vom Stromkonsumenten zum Produzenten

Vom Stromkonsumenten zum Produzenten

Diese Meldung ging um die Welt: Tesla, der US-amerikanische Hersteller von Elektroautos, will selber Strom produzieren und zwar in seiner Batterie-Fabrik im Bundesstaat Nevada. Genauer gesagt auf der Fabrik: Tesla plant nämlich auf dem Fabrikgebäude ein Solardach zu bauen, das es in sich hat: Bereits bei der Anlage handelt es sich um das flächenmäßig größte Gebäude der Welt. Die auf dem Dach installierten Solarpanels kämen somit gemeinsam auf eine Kapazität von 70 Megawatt. Zum Vergleich: Das bisher größte Solardach in den USA produziert rund zehn Megawatt Strom. Den eigens erzeugten Strom will Tesla-Chef Elon Musk selbst nutzen. Mit der Energie soll die Fabrik klimaneutral gestellt werden.

Konsument + Produzent = Prosumer

Kein Zweifel: Der Energiemarkt wandelt sich – und mit ihm die Rolle der Haushalte und Gewerbetreibenden. Sie sind keinen reinen Verbraucher mehr, die Strom aus der Steckdose ziehen. Stattdessen können sie mittels Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder Blockheizkraftwerk im Keller auch Energie erzeugen und werden daher Prosument oder Prosumer genannt. Eine Wortmischung aus Produzent und Konsument.

Willkommen in der schönen neuen Energiewelt

Im Prinzip ist es eine schöne neue Welt: Man kann sich die Sache ein bisschen wie bei einem Kleingärtner vorstellen, der nicht mehr in den Supermarkt gehen muss, um Salat und Gurken zu erstehen. Er baut sein Gemüse selbst an und kann es sogar verkaufen, wenn er zu viel davon hat. Stellt sich die Frage: Wie funktioniert das mit der selbst produzierten Energie? Schließlich kann man sich ja keinen Stand vor die Haustüre oder das Betriebsgelände stellen und wie der Kleingärtner fertig gepackte Beutel anbieten, in denen Strom statt Salat drin ist.

In einer Serie wollen wir das Thema Prosumer mit seinen Vor- und Nachteilen näher beleuchten. Zum Auftakt geben wir einen Einblick, wie der Markt funktioniert und welche Möglichkeiten man als Unternehmer hat, in die Eigenproduktion einzusteigen.

Wie funktioniert das Prinzip Prosumer?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Modelle. Modell 1: Der Gewerbetreibende gibt den selbst produzierten Strom gegen Entgelt komplett ins Netz ab. Den selbst benötigten Strom bezieht er vom Energieversorger. Beides läuft getrennt ab, die Preise sind verschieden. Modell 2: Bei der Überschuss-Einspeisung verbraucht der Gewerbetreibende den erzeugten Strom zunächst selbst. Nur das, was nicht benötigt wird, fließt ins öffentliche Netz und wird entsprechend vergütet.

Welches Modell rentiert sich mehr?

Die staatliche Einspeisevergütung ist in den vergangenen Jahren spürbar gesunken. Zudem gibt es seit diesem Jahr eine festgesetzte Einspeisevergütung bei neu installierten Anlagen nur noch für kleinere Anlagen mit einer Leistung unter 750 kW (150 kW bei Biomasse). Sie liegt je nach Größe der Anlage bei elf bis zwölf Cent pro Kilowattstunde und wird für 20 Jahre garantiert. Alle Erneuerbaren-Energien-Anlagen mit höherer Leistung müssen sich seit diesem Jahr an einem Bieterverfahren beteiligen, welches nach diesem Prinzip abläuft: Wer am wenigsten für den wirtschaftlichen Betrieb seiner Anlage fordert, wird gefördert. Nicht zuletzt deshalb lohnt sich für Gewerbetreibende, aber auch für private Haushalte vor allem das zweite Prosumer-Modell: Strom zu produzieren, um möglichst viel davon selbst zu verwenden.

Abgaben und Steuern nicht vergessen

Bedenken sollten Selbständige und Unternehmer allerdings, dass auch für den erneuerbaren, selbst produzierten und verbrauchten Strom, eine anteilige EEG-Umlage fällig wird, sofern man eine Anlage mit mehr als zehn kW Leistung betreibt.

Umsatzsteuer wird fällig, wenn Prosumer dauerhaft mehr als 50 Prozent der erzeugten Energie ins Netz einspeisen. Gewerbesteuer fällt für den an, der mit einer Anlage mehr als 24.500 Euro pro Jahr einnimmt. Einkommenssteuer ist bereits zu zahlen, wenn die Einnahmen die Betriebskosten der Anlage übersteigen.

Weitere Möglichkeiten der Eigenproduktion

Knapp ein Drittel der in Deutschland im vergangenen Jahr produzierten Strommenge stammte aus erneuerbaren Energien. Den größten Anteil hatte Windenergie, gefolgt von Biomasse und Photovoltaik. Windkraftanlagen sind aufgrund der hohen Investitionskosten für Gewerbetreibende und Haushalte kaum realisierbar. Mittlerweile gibt es Mini-Biogasanlagen mit einer Leistung bis 75 KW. Aber selbst diese eignen sich nach Angaben von Planern nur für Landwirte, die direkten Zugriff auf die Rohstoffe haben.

Interessanter sind Blockheizkraftwerke, die Energie und Wärme mithilfe von Pflanzenöl erzeugen. Sie kommen schon seit Jahren auch in Gewerbebetrieben zum Einsatz und können erheblich zur Senkung der Energiekosten beitragen. Damit sich die Investition lohnt, empfehlen Verbraucherschützer auch in diesem Fall, die Anlagen so auszurichten, dass man mit ihnen einen möglichst hohen Anteil des eigenen Strombedarfs abdecken kann.

E.VITA klärt auf

Diese Serie zum Thema Prosumer ist ein Informationsangebot, mit dem E.VITA seine Firmen-, Gewerbe- und Privatkunden über die Chancen und Risiken bei der Produktion erneuerbarer Energien aufklärt. Informieren Sie sich hier im Ratgeber oder über unseren Newsletter und achten Sie auf weitere Beiträge zum Thema Prosumer. Darin wird es unter anderem um die Themen Mieterstrom, dem sinnvollen Verhältnis von Konsumieren und Produzieren und um interessante Pilotprojekte in diesem Bereich gehen.



Dieser Artikel ist Teil der Serie "Prosumer".

Weitere Artikel der Serie:

Wie Handwerksbetriebe zum Stromerzeuger werden

In Ihrem Browser sind Cookies deaktiviert. Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Bitte lassen Sie Cookies zu, um vom bestmöglichen Service zu profitieren.
Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Datenschutz