So könnten die Kosten für das Stromnetz sinken

So könnten die Kosten für das Stromnetz sinken

Montag, 24. April 2017
Wichtige Energiegesetze

Wer im (Süd-)Westen Deutschlands lebt, ist besser dran. Dieser provokante Satz trifft zumindest auf das Thema Netzentgelte zu. Denn Verbraucher im Norden und (Süd-)Osten der Republik zahlen deutlich mehr für die Netznutzung. Das ändert sich aber vielleicht bald, denn die Gebühren könnten mit dem geplanten Netzentgeltmodernisierungs-Gesetz (Nemog) vereinheitlicht werden. Die möglichen Folgen für Verbraucher sind noch nicht vollends absehbar, weil die Gesetzesvorlage bereits mehrfach geändert wurde und das Parlament immer noch berät. Der eine muss befürchten, dass es teurer wird, der andere kann auf Entlastung hoffen. Letztlich wird es kurioserweise eine Frage sein, wo der Einzelne wohnt.

Was ist Nemog?

Hinter Nemog verbirgt sich eine weitere, ambitionierte Energie-Reform der Bundesregierung, die die Netzentgelte im Blick hat, die jeder Verbraucher in Deutschland mit seiner Energierechnung bezahlen muss. Sie soll künftig die Gebühren für Ausbau, Betrieb und Wartung der Übertragungsnetze in Deutschland regeln. Bei den Übertragungsnetzen handelt es sich um die Stromautobahnen Deutschlands, die zur überregionalen Energieversorgung im Höchstspannungsbereich dienen. Über sie wird beispielsweise Strom aus den Windkraftanlagen vom Norden in den Süden geleitet.

Warum sind die Netzentgelte unterschiedlich hoch?

Die vermeintliche Logik lautet: Im Norden und (Süd-)Osten sind wegen des raschen Ausbaus der Windenergie große Investitionen in den Ausbau der Netze und somit höhere Gebühren erforderlich. Die betreffenden Bundesländer sehen sich dadurch aber abgestraft. Schließlich würden sie die Energiewende maßgeblich vorantreiben. Vor allem der Bundesrat plädiert für eine Vereinheitlichung der Entgelte, damit die Gebühren überall in Deutschland gleich sind. Demnach würden zwölf Bundesländer von einer solchen Regelung profitieren, nur in vier Ländern würden die Netzentgelte steigen, so die Argumentation des Bundesrates. Das Kabinett hat die einheitlichen Übertragungsnetzentgelte zuletzt jedoch aus dem Gesetzentwurf gestrichen.

Was bedeutet das nun für Gewerbe- und Privatkunden?

Ob die zu erwartenden Strompreissteigerungen aufgrund der Netzentgelte für den einen Unternehmer stärker ausfallen als bislang, für den anderen schwächer, wird also davon abhängen, welcher Übertragungsnetzbetreiber für die betreffende Region zuständig ist. Davon gibt es vier in Deutschland: Tennet, amprion, 50 hertz und TransnetBW. Sie werden von der Bundesnetzagentur reguliert, die dafür sorgt, dass sie ihre Monopolstellung nicht ausnutzen und überhöhte Netzentgelte berechnen.

Noch sind die Unterschiede groß

Die Preise in den Gebieten des größten Höchstspannungsnetzes (Tennet) und des ostdeutschen Übertragungsnetzes (50 Hertz) sind höher als in jenen der anderen beiden Übertragungsnetzbetreiber. Die Höhe des Netzentgeltes wird in der Stromrechnung separat ausgewiesen, wie E.VITA hier im Ratgeber bereits erklärt hat (zum Hintergrund). Grund sind unter anderem die erwähnten Kosten des Netzausbaus für die Anbindung der Windenergieanlagen im Norden des Landes und für den Ausbau in ländlichen Regionen. So hat der für Norddeutschland und Bayern zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet die Netzentgelte zur Jahreswende um satte 80 Prozent erhöht. Für einen Drei-Personen-Haushalt bedeutet das immerhin eine zusätzliche Belastung von 30 Euro pro Jahr. Amprion dagegen gibt für 2017 einen vergleichsweise geringen Anstieg von rund zehn Prozent an. Eine Vereinheitlichung der Gebühren würde bedeuten, dass Verbraucher im Westen und Südwesten Deutschlands künftig stärker an den Kosten des Netzausbaus beteiligt würden als bislang. Das ist ein nicht unerheblicher Faktor, denn die Netzentgelte sind der zweitgrößte Preistreiber bei den Strompreisen. Im Schnitt machen sie fast ein Viertel der Stromrechnung aus.

Aber: Entlastung in Sicht

Das Bundeswirtschaftsministerium verspricht mit dem Nemog die schrittweise Abschaffung der sogenannten vermiedenen Netzentgelte: „Dies dämpft bundesweit die Netzkosten und wird im Interesse der Stromverbraucher generell zu sinkenden Netzentgelten beitragen.“ An dieser Stelle muss man wissen, dass es bisher für Strom, der verbrauchernah produziert und verbraucht wird, eine Art „Bonus“ gibt. Es liegt die Annahme zugrunde, dass dieser „Strom der kurzen Wege“ die öffentlichen Netze nicht belastet. Aber auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, weil der Bundesrat dabei vor allem Nachteile für Betreiber von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sieht.

E.VITA klärt auf

Noch ist offen, ob die Netzentgelte in Zukunft gleichmäßiger verteilt werden. Ein Hoffnungsschimmer für Verbraucher ist die angekündigte Entlastung durch die schrittweise Abschaffung der vermiedenen Netzentgelte. E.VITA bleibt für seine Kunden am Thema dran und gibt Usern hier im Ratgeber-Blog die Möglichkeit, sich vertiefend damit zu befassen. Regelmäßig werden verwandte und weiterführende Themen beleuchtet. In der Folge wird es zum Beispiel um das Stromnetz der Zukunft oder die Auswirkungen der Energiewende auf unsere Netze gehen.


Dieser Artikel ist Teil der Serie "Netzentgelte".

Weitere Artikel der Serie:

Auftakt-Artikel „Netzentgelte: Was steckt hinter dieser Stromgebühr?“

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