Finger weg von meinem Speicher! Oder doch nicht?

Finger weg von meinem Speicher! Oder doch nicht?

Mittwoch, 20. September 2017
Neuigkeiten vom EnergiemarktStrom erzeugen

Klingt logisch: Je mehr Stromspeicher, umso besser kommt die Energiewende voran. Denn das Problem ist ja, dass Energie aus Windkraft und Photovoltaik (PV) nicht auf Knopfdruck erzeugt werden kann, sondern stark vom Wetter abhängig ist und damit großen Schwankungen unterliegt. Deshalb lautet die Empfehlung der Deutschen Energie-Agentur (dena), die sie aus ihrer kürzlich vorgelegten „Netzflexstudie“ ableitet: Teilt Eure Speicher(kapazitäten) mit anderen. Wenn Hausbesitzer, Gewerbetreibende und große Unternehmen, die selbst Energie produzieren und eigene Speicher vorhalten, dem Netzbetreiber erlauben, dort Strom zwischenzuspeichern, könnten die Kosten der Energiewende sinken. Zudem könne weiterer Netzausbau vermieden werden. Aber: Es gibt rechtliche und regulatorische Hürden. E.VITA erklärt, was Sache ist.

Was sagt die dena-Studie genau?  

In der Studie, an der sich 23 Partner beteiligten, untersuchte die dena anhand von sechs unterschiedlichen Fällen, wie Flexibilitätstechnologien mehrfach genutzt werden können.  Als konkretes Beispiel wird ein Hausbesitzer genannt, der die von seiner PV-Anlage erzeugte Energie in einer Batterie speichert. Dies soll auch weiterhin Vorrang haben. Falls der Speicher aber freie Kapazitäten aufweist, soll er ins große Ganze eingebunden werden. Sprich: In den Batteriespeicher fließt überschüssiger Strom aus dem Netz, das dadurch stabilisiert wird. Energie müsste dann nicht mehr über so weite Strecken transportiert werden, weil lokal viele (kleine) Speicher zur Verfügung stehen, auf die man zurückgreifen kann. Unterm Strich bedeutet das: weniger Leitungen, die Strom über weite Strecken transferieren. „Die Ergebnisse sind eindeutig: Gelingt die parallele Nutzung für Markt und Netz, entsteht eine wirtschaftliche ‚Win-Win-Win-Situation‘ – für die Anbieter von Flexibilitätstechnologien, die Netzbetreiber und die Verbraucher“, erklärte dena-Chef Andreas Kuhlmann.

Wo hakt es noch?

Was fehlt, sei eine Brücke zwischen Markt und Stromnetz. „So kann ein großes, neues Spielfeld für innovative Produkte entstehen. Die Spieler sind bereits auf dem Platz, das hat die branchenübergreifende Beteiligung an unserer Netzflexstudie gezeigt.“ Die dena sieht nun den Gesetzgeber am Zug. Vor allem die Netzentgeltsystematik für eine Mehrfachnutzung von Flexibilitätstechnologien müsse überarbeitet werden. Netzentgelte sollten flexibler ausgestaltet sein, mit neuen Tarifen, die sich dynamischer an der aktuellen Auslastung der Stromleitungen orientierten. Mögliche Alternative: Netzbetreiber könnten den Beitrag zur Netzentlastung über feststehende Konditionen vergüten. Die dena fordert sogar, dass Netzbetreiber rechtlich die Möglichkeit haben sollten, bei Bedarf auf die Speicher von Anlagenbetreibern (Privathaushalte, Gewerbe und Industrie) zuzugreifen, um das Stromnetz besser steuern und stabilisieren zu können.

Wer könnte profitieren?

In der Tat könnte sich die Sache für alle Seiten lohnen. Die Netzbetreiber wären in der Lage, flexibler zu agieren. Der Netzausbau, dessen Kosten auf die Allgemeinheit umgelegt werden, könnte zurückgefahren werden. Profitieren würden natürlich auch die Prosumer, die ihre Stromspeicher zur Verfügung stellen und dafür finanzielle Vorteile erhalten. Das soll sich auch für Gewerbetreibende lohnen, die ja stark schwankenden Strombedarf haben. Am Wochenende, wenn die Maschinen stehen und die Rechner aus sind, sind die Speicher für PV-Strom meist voll. Wenn am Montag die Belegschaft ihre Geräte hochfährt, leeren sie sich und es stünden Kapazitäten zur Speicherung von externer Energie zur Verfügung. Dafür soll es eine finanzielle Entschädigung geben. Erwartungsgemäß ist auch die Zustimmung unter den Herstellern von Speicherlösungen groß, weil sie mit einem höheren Absatz rechnen können. Im Übrigen gibt es bereits Modelle und Unternehmen, die das Prinzip verfolgen. Zum Beispiel die Firma caterva aus der Nähe von München. Sie bietet eine Art virtuellen Energiespeicher, bei dem sie verschiedene Firmen- und Privatkunden miteinander vernetzt, die sich gegenseitig Speicherkapazitäten zur Verfügung stellen. Eigenheimbesitzer erhalten dafür bereits eine Jahresprämie.

E.VITA (be)rät

Wir zeigen in unserem Ratgeber auf, wie wichtig die Energiewende für Deutschland ist und wie E.VITA-Kunden davon profitieren können. Wenn Sie sich an dieser Stelle fragen, wie Sie überhaupt zum Stromproduzenten werden können und unter welchen Voraussetzungen sich das lohnt, dann klicken Sie hier. Inwiefern in diesem Zusammenhang ein eigener Energiespeicher Sinn macht oder nicht, lesen Sie hier.

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