Berg- und Talfahrt an der Strombörse

Berg- und Talfahrt an der Strombörse

Freitag, 03. Februar 2017
Neuigkeiten vom Energiemarkt

Der Strompreis an der deutschen Strombörse ist auf den höchsten Stand seit fünf Jahren geklettert. Ab Mitte Januar überstieg der Preis die Marke von zehn Cent pro Kilowattstunde an vielen Tagen – und zum Teil sogar deutlich. Für einige Stunden lag er gar bei mehr als 20 Cent pro Kilowattstunde. Das kommt nur sehr selten vor und war zuletzt im Februar 2012 der Fall. Damit setzte sich auch im neuen Jahr der Trend steigender Preise fort, der bereits Ende 2016 zu beobachten war.

Strom-Engpass in Frankreich wirkt über die Grenzen hinweg

Ein wesentlicher Grund hierfür findet sich im Nachbarland Frankreich, wo der Energiekonzern EDF Medienberichten zufolge bereits vor Wochen mehrere Kernkraftanlagen außerplanmäßig abschalten musste. Zudem bereiten die außergewöhnlich tiefen Temperaturen Probleme, da in Frankreich viele Haushalte nur über Stromheizungen verfügen. Der frostige Jahresanfang bescherte weiten Teilen Europas den kältesten Januar seit drei Jahrzehnten. So kam es bereits Mitte Januar zu Engpässen in Frankreich, weswegen massiv Strom vor allem aus Deutschland, Spanien, der Schweiz und Belgien bezogen wurde. Der deutsche Übertragungsnetz-Betreiber Amprion fuhr daraufhin Reservekraftwerke an, um auf mögliche Probleme schnell reagieren zu können. Trotzdem sah sich die französische Regierung gezwungen, ihre Bürger zum Stromsparen aufzurufen und ordnete die Abschaltung der Außenbeleuchtung an etwa 330 Gebäuden an.

Auswirkungen für den Endverbraucher

Aber was bedeutet das nun für die deutschen Stromkunden? Die gute Nachricht ist: Kurzfristige Preisschwankungen wie diese schlagen sich nicht zwangsläufig auf den Strompreis für Endverbraucher nieder. Entscheidend ist hierfür die Vertragsgrundlage zwischen Verbraucher und Energielieferant. Doch wie funktioniert die Preisbildung an der Strombörse überhaupt? Wir haben uns die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Börsenstrompreis in Deutschland genauer angesehen.

Stromhandel über Ländergrenzen hinweg

Im Grunde genommen ist der Mechanismus ähnlich wie der an der Wertpapierbörse: Angebot und Nachfrage werden zusammengebracht und dadurch wird der Strompreis geregelt. Da Strom in großen Mengen nur bedingt speicherbar ist, ist es umso wichtiger für die Versorgungssicherheit, dass jederzeit genügend Strom angeboten wird, um die Nachfrage zu bedienen.

An der Strombörse wird auf dem sogenannten Spotmarkt – auch Intraday- bzw. Day-Ahead-Handel genannt – Strom gehandelt, der noch am selben bzw. am nächsten Tag geliefert wird. Für Deutschland, Österreich, Frankreich und die Schweiz findet dieser an der europäischen Strombörse European Power Exchange, kurz EPEX SPOT, statt. Die Börsenmitglieder können auf den beteiligten Intraday-Märkten auch grenzüberschreitende Transaktionen vornehmen. Dadurch entsteht eine gewisse Abhängigkeit der Märkte voneinander. In Frankreich wurden zuletzt weitere fünf Atom-Reaktoren des französischen Konzerns EDF vorübergehend abgeschaltet. Insgesamt fallen damit aktuell 13 Atomkraftwerke in Frankreich aus. Da das Land von der Atomkraft so abhängig ist wie kein anderes weltweit, hat diese relative Knappheit dazu beigetragen, dass der Strompreis in Frankreich enorm zugelegt hat. Durch die Möglichkeit grenzübergreifender Transaktionen und aufgrund der erhöhten Nachfrage aus Frankreich wirkte sich dies auch auf den deutschen Markt aus und trug zu einem Preisanstieg bei.

Strom aus EEG Anlagen hat Vorrang

Eine Besonderheit des Stromhandels an der Börse liegt im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) begründet: Dadurch, dass Strom aus EEG-Anlagen vorrangig eingespeist werden muss, reduziert sich der Bedarf an Strom aus konventionellen Kraftwerken entsprechend. Durch diesen Vorrang schließen konventionelle Kraftwerke gewissermaßen nur noch die Lücke bis zur Erfüllung der Nachfrage – und halten gewisse Reserven darüber hinaus bereit. Durch immer mehr einspeisende EEG-Anlagen in den vergangenen Jahren übertrifft das Angebot die nahezu gleich gebliebene Nachfrage. Unter anderem dadurch entstand in den vergangenen Jahren ein Preisverfall.

Darüber hinaus haben noch weitere Faktoren Einfluss auf den Börsenstrompreis. Diese sind vielfältig und teilweise komplex miteinander verzahnt. Kosten für CO2-Zertifikate spielen ebenso eine Rolle wie die Brennstoffkosten der Kraftwerke, die für die Deckung des Bedarfs erforderlich sind. Dazu kommen weitere Opportunitätskosten. Neben diesen Einflussfaktoren, die in den gesetzlichen Rahmenbedingungen und den einzelnen Energiequellen begründet sind, haben – wie anhand der aktuellen Entwicklungen in Frankreich deutlich wird – auch die Preise in anderen Strommärkten Einfluss auf den deutschen Börsenstrompreis.

Know-how des Energieversorgers entscheidend

Der Strompreis an der Börse dient Energiehändlern als Grundlage für die Kalkulation der Stromtarife. Neben dem Spotmarkt gibt es den sogenannten Terminmarkt. Dort können Stromeinkäufer und Großabnehmer langfristig – bis zu sechs Jahre im Voraus – Strom einkaufen. Damit sichern sie sich für die Zukunft Kontingente zu bestimmten Preisen. Die beiden Märkte sind miteinander verzahnt: Durch den kurzen Zeithorizont des Spotmarkts schlagen sich hier vor allem kurzfristige Veränderungen schneller nieder als im Terminmarkt, der eher langfristige oder grundlegende Entwicklungen abbildet.

Um ihren Stromkunden gute Konditionen anbieten zu können, müssen Energiehändler langfristig planen, zugleich aber kurzfristig reagieren können und dabei viele Einflussfaktoren berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund stehen Energiehändler vor der Herausforderung die Unwägbarkeiten und eventuelle Schwankungen des Börsenstrompreises zu berücksichtigen, ihren Kunden gleichzeitig aber ein stabiles und möglichst wettbewerbsfähiges Preisniveau anzubieten. Gerade Unternehmen, für die die Stromkosten eine wichtige Rolle spielen, tun deshalb gut daran, sich einen Energieversorger mit entsprechender Erfahrung und Know-how zu suchen, um bösen Überraschungen vorzubeugen.

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